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In der Schule war ich einer, der im Sport, beim Mannschaften auszählen, immer bis zum Schluss auf der Bank sitzen geblieben
ist. Keiner wollte mich haben! Einmal habe ich die Schule gewechselt, bin wegen einem Umzug auf ein anderes Gymnasium gekommen, und da habe ich meine Chance gewittert. Keiner wusste, was für eine
Null ich im Sport war, und so habe ich mich voll ins Zeug gelegt, bin wie ein Verrückter beim Fußball dem Ball hinterher gehechtet. Und da war sie, meine Chance ... Ich allein mit dem Ball vor dem Tor
... ich ziehe durch .... Toooooooooor! Na ja, es war das Tor meiner eigenen Mannschaft, aber es war immerhin ein Anfang!
Es hat 2 Wochen gedauert, da war auch am neuen Gymi klar: “Der Wagner ist in Sport ´ne Niete!” Und weiter hab ich es nie gebracht im Sport. Beim Barrenturnen zwecks schmaler Schultern
zwischendurchgerutscht, an den Ringen wie ein nasser Sack geschaukelt bis der Lehrer es nicht mit ansehen konnte. Nein, ´ne 4 in Sport. Mehr habe ich nie gebracht. Winston Churchill hat mir aus der
Seele gesprochen: ”First of all, no sports!” Das war mein Motto, für 36 lange Jahre.
Und letztes Jahr ist was passiert. Ich hatte so massive Rückenschmerzen, dass ich mich mitten in der Nacht ins Krankenhaus
habe fahren lassen. Und was dann kam, davon kann jeder mit Rückenproblemen ein Liedchen singen: Schmerzmittel spritzen, der Gang zum Orthopäden, Schmerztabletten, Schmerzzäpfchen, wenn man es mal gar
nicht aushält, Einrenken beim Chiropraktiker, ... kurz: ich hatte die Schnauze gestrichen voll. Mit der Aussicht auf weitere 30 Jahre auf dem Bürostuhl, wollte ich das Thema Rückenprobleme vom Tisch
haben. Und da erinnerte ich mich daran, was mir ein Arzt mal gesagt hat: “Sie sollten Sport treiben.” Und so fing alles an.
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Ein fast
spirituelles Erlebnis
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Sport im Verein (noch ein Termin unter der Woche) war für mich nicht drin. Öffnungszeiten von Hallenbädern untauglich, und
so habe ich beschlossen: Der einzige Sport den ich noch unterbringe ist: Laufen. Laufen von der Haustüre weg, genau dann, wenn ich Zeit habe: Nachts!
Den ersten Lauf werde ich nie vergessen. Ich hab es später mal ausgemessen: 1km !!! Nach dem ersten Kilometer bin ich zusammengeklappt! Dann bin ich mit eingezogenen Schwanz nach Hause gegangen (zum
Glück war’s dunkel und mich hat keiner gesehen), aber mit dem festen Vorsatz: Morgen läufst Du 20 Meter weiter. 20 Meter mehr sind immer drin. Egal welches Wetter, egal wie´s Dir geht, egal welche
Uhrzeit. Und so bin ich Tag für Tag gelaufen. Meistens nach 22:00 Uhr gestartet, wenn die Kinder im Bett sind. Ich hab mir irgendwann richtige Laufschuhe gekauft. Habe nach ein paar Wochen schon 5
km pro Tag gelaufen, dann 10km pro Tag. Nebenbei habe ich 15 kg abgenommen. Ich bin mitten in der Nacht durch den Schönbuch gelaufen mit Eiszapfen unter der Nase, und nach 6 Monaten hatte ich
plötzlich den Gedanken: “Wäre das nicht klasse! Nächsten Mai, genau 1 Jahr nach den ersten stolpernden Schritten die Königsdisziplin absolvieren : Einen Marathon. 42.195km?”
Und da hatte ich plötzlich ein Ziel vor Augen. Und was ich dann erlebte, 3000km später, bei meinem ersten Marathon, das war fast ein spirituelles Erlebnis.
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Normalerweise erzähle ich was über den Glauben, über Jesus, Gott, biblische Weisheiten und hänge
das gerne an irgendwelchen aktuellen Dingen auf. Diesmal nicht. Dieses eine Mal will ich was erzählen, über eine fast spirituelle Erfahrung, die ich selbst gemacht habe, den
ersten Marathon.
Auf den großen Tag, den 25.Mai 2003, habe ich mich natürlich gut vorbereitet. Bin im Vorfeld öfter mal 30km gelaufen, habe am Abend davor noch ordentlich
Kohlenhydrate (Spaghetti Armageddon) in mich reingeschaufelt, bin 3 Stunden vor dem Lauf aufgestanden und habe einen leicht verdaulichen
Toast gegessen und habe natürlich im einen oder anderen Buch über Marathon-Vorbereitung herumgestöbert. Habe erfahren, dass der Schönbuch-Marathon wegen seiner Steigung die
Kategorie “schwierig” hat. Klasse! Eine Stunde vor dem Start habe ich meine Startgebühr bezahlt und die Startnummer abgeholt: 3022
Na ja ... tick..tick .. tick und da wurde es auch schon 9 Uhr.
Über 300 Läufer habe sich am Start aufgebaut. Die Aufregung ist riesig. Werde ich es schaffen? Wenn
alles super läuft, so habe ich ausgerechnet, werde ich in 4-5 Stunden alles hinter mir haben. Oder ich lasse mich vom Roten Kreuz ans Ziel fahren. Und da ist die Angst, ob das
rechte Knie mitmacht, hatte ich in den letzten Wochen doch ziemliche Schmerzen und musste manche Läufe abbrechen! Man merkt schon, dass die anderen nicht Ihren ersten Marathon
laufen. Hagere Läufer, die sich locker unterhalten, die wissen was auf Sie zukommt.
Aber jetzt ist es soweit. Ein paar Worte über Mikrophon, die ich allesamt vergessen habe, dann ein
Startschuss und das ganze Feld der Läufer setzt sich in Bewegung.
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Wenn vom Glauben erzählt wird, dann ist in der Bibel immer wieder von einem Weg die Rede. Es heißt ja auch: Glaubensweg. Im Alten Testament musste Abraham von Chaldäa aufbrechen, Josephs
Geschwister mussten nach Ägypten ziehen, die Israeliten mussten 40 Jahre durch die Wüste um endlich ins gelobte Land zu kommen. Wenn im Neuen Testament vom Glauben die Rede ist,
dann wählt Paulus auch einen Weg, aber keinen endlosen Bummel im Kreisverkehr durch die Wüste, kein Reise mit Kind und Kegel ins Ungewisse, sondern: Einen langen Lauf .... einen
Marathon.
Und dieses Bild ist so gut gewählt, dass ich ins Stocken komme und persönlich mutmaße, ob Paulus
nicht selbst mal ein paar Runden im Stadion gedreht hat.
Da ist zum Beispiel der Anfang im Glauben, genauso wie das Antreten an der Startlinie bei einem
Marathonlauf: ”Werde ich es schaffen? Werde ich durchhalten?”
Wenn Jesus die Nachfolge mit einem Turmbau vergleicht, bei dem man vorher bedenken soll ob die
Finanzierung steht oder einem König der nachrechnen soll, ob er mit den verfügbaren Soldaten die Schlacht gewinnen kann, dann darf man sicherlich ergänzen, dass man als Läufer
abschätzen sollte, ob die Kondition reicht um stundenlang durchzulaufen.
Interessant: Wir neigen dazu zu sagen: ”Komm doch zu Jesus, probier´s doch! Du wirst erleben,
es ist toll. Ein Versuch kostet nichts!” Jesus sagt dagegen: Wir sollen es uns gut überlegen, sonst bleiben wir auf der Strecke! Man wird keinem ungeübten schlecht
vorbereiteten Läufer sagen: ”Lauf doch mit! Das ist eine tolle Sache!” Die Blamage wäre riesig. Das Ergebnis frustrierend.
Lk 14,28-29 Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug
habe, um es auszuführen, - damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann's nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten.
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Kilometer 1 Endlich geht’s los
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Wenn die Startlinie endlich überquert ist, überwiegt die Euphorie. Alles ist so aufregend. Auf den Tag habe ich
den ganzen Winter hin trainiert. Man ist tatsächlich dabei und bekommt das Gefühl, dass alles wie von selbst geht. Doch beim Blick auf die Pulsuhr kommen auch schon die ersten Zweifel.
"Über 170 !!! Warum ist der Puls gleich so hoch?"
Über Musberg fädelt sich der Tross auf den Bundeswanderweg ins Siebenmühlental ein. Ich kenne die Strecke,
zumindest die nächsten 10 Kilometer, meine Hausstrecke!. Aber mein Puls ist viel zu hoch. Wenn ich so weiterlaufe, dann werde ich Kilometer 30 nie erreichen. Ich kan n locker das Tempo der anderen mithalten, aber dann werde ich nie ins
Ziel kommen. Also laufe ich am rechten Rand des Weges, reduziere meine Geschwindigkeit bis mein Puls auf 150 runter ist und lasse minutenlang Läufer an mir vorbeiziehen. Da man immer
nach vorne sieht, glaubt man irgendwann: ”Jetzt bin ich garantiert der letzte!”.
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Die ersten Schritte im Glauben. Man ist begeistert. Man ist auf einer Sommerfreizeit, man hört zum
ersten Mal vom Evangelium. Man übergibt Jesus sein Leben. Man übertritt die Startlinie auf die Rennstrecke des Glaubens.
Der Puls ist oben, alles ist einfach toll.
Da sind andere Christen, die mit einem laufen und ich lasse mich mitziehen. Ich lasse mich
mittragen. Es ist nicht mein Tempo, es ist nicht mein Glaube. Aber das merke ich jetzt noch nicht. Im Pulk meiner Jugendgruppe, in der Menge der Freizeitteilnehmer ist es einfach
zu laufen. An diesen Startschuss meines Glaubens werde ich noch oft zurückdenken.
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Kilometer 2-10 Alles wie geschmiert
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Die Muskeln gewöhnen sich nun langsam an die Belastung (Ich habe mich natürlich vorher nicht warmgelaufen, wer
weiß, ob ich dann noch ins Ziel komme). Alles läuft wie geschmiert. Die Atmung ist noch ruhig und regelmäßig. Die letzten Besucher am Wegesrand habe für Hochstimmung gesorgt, jetzt im
Siebenmühlental sind die Läufer unter sich. Weil ich mein Tempo so schwer einhalten kann, suche ich mir einen Läufer, der genau mein Tempo läuft. Mein Puls ist 150. O.K. Für die nächsten
20 km wird er mein Begleiter sein. Mein Knie schmerzt unerwartet früh, aber es ist auszuhalten. Da ist die erste Versorgungsstation bei Kilometer 5. Eigentlich brauche ich nichts, aber ich habe gelesen, dass man jede
Station nutzen soll, also schnappe ich mir im vorbeilaufen einen Becher Wasser und Frubiase!
Die Psyche ist auf Euphorie gepolt. Diese Begeisterung lässt viele
Läufer den Marathon zu schnell angehen, habe ich gelesen, und das wird am Ende dann bitter. Aber wenn es bei mir so weitergeht, dann fliege ich ins Ziel. Aber davon trennen mich noch über
30 km , und da passiert noch viel ....
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Die ersten Kilometer im Glauben sind nicht schwer. Es läuft alles wie geschmiert. Menschen, die
sich begeistern für den Glauben sorgen für Hochstimmung. Die Gemeinde, der Bibelkreis, Kinderkirche oder Jugendgruppe sorgt für Hochstimmung.
Aber man merkt schon, dass man sein eigenes Tempo finden muss. Die Erkenntnis und das was ich im
Leben umsetze muss zusammenpassen. Dabei sein ist alles. Das Ziel liegt so außer Reichweite, das es kaum Bedeutung hat.
Und ich suche Menschen, die mir ein Vorbild sind. Identifikationsfiguren, die mich weiterbringen.
Da ist der Gruppenleiter, der Jugendpfarrer. Ich laufe nicht dem Ziel entgegen, sondern diesen Menschen hinterher.
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Kilometer 10-20 Locker bleiben
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Die nächsten Kilometer sind für mich kein Neuland, denn 20km sind mittlerweile ein schöner Tagesausklang für
mich. Und wie erwartet kommt das Hochgefühl, das dafür sorgt, dass man nach Laufen süchtig wird: Man nennt es “Runners High”! Die Stresshormone haben sich verzogen, Endorphin,
Serontonin und Dopamin machen gute Stimmung. Die Versorgungsstationen nehme ich mit, eine Wade zwickt und das Knie macht sich immer mehr bemerkbar. (Ich habe Schmerztabletten dabei, falls
ich’s nicht mehr aushalte!) Bei Kilometer 18 kommt mir der erste Läufer auf d em Rückweg entgegen. Als ich am Wendepunkt ankomme bin ich geflasht. Meinen Puls habe ich bei 150 gehalten, was eigentlich zu hoch ist, aber
nach dem Start hatte ich andere Sorgen. Bis hierhin war alles gut, aber ich weiß, was jetzt kommt! Nach 30km werde ich jeden Muskel spüren, schmerzen die Oberschenkel, die Waden
zwicken ... und ich weiß noch nicht wie es danach weitergeht .... Noch geht’s gut, aber mit jedem Schritt Richtung 30km wird es härter werden.
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Es ist kein “Runners High”, es ist ein “Jesus High”. Die Startlinie hat man
schon eine Weile hinter sich gelassen und die ersten Schritte im Glauben getan. Man hat keine massiven Probleme und scheint als einziger Mensch die Lösung in den Händen zu halten:
Jesus. Bibellesen macht Spaß, man erlebt tolle Sachen mit Gott und tut die verrücktesten Sachen: Die AC/DC Platten werden verschrottet, dem Metzger mit der Bestellung ein Traktat
über den Tresen geschoben, man ist bereit jede Party durch Streitgespräche über den Glauben zu garnieren. Alles ist toll mit Jesus! Und was nicht toll ist wird ignoriert. Das
Tempo ist kein Problem.
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Kilometer 20-30 Jetzt wird’s hart
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Mein Begleiter lässt langsam an Geschwindigkeit nach, ich muss jetzt mein eigenes Tempo laufen denke ich. Ich
zögere ein paar Minuten, doch dann steht der Entschluss fest. Langsam überhole ich ihn, und werde ihn bis zum Ziel nicht wiedersehen. Mein Puls steigt jetzt um 10 Punkte auf 160. Dort
versuche ich zu bleiben. Ich weiß, ich weiß, dass ist viel zu hoch, aber soll ich mich an den Wegesrand setzen, und ´ne Verschnaufpause einlegen?
Auf dem Rückweg sehe ich, dass ich bei
weitem nicht letzter war. Mir kommen viele Läufer entgegen, denen ich bereits ein paar Kilometer voraus habe.
Das “Runners High” liegt lang zurück, jetzt spürt man nach und nach die
Muskeln. Waden, Oberschenkel und nicht zu vergessen, mein rechtes Knie. Während ich laufe und nachdenke (man hat ja stundenlang Zeit) fällt mir auf, das ich jedes Mal
wenn ich einen Lauf abbrechen musste, zuvor kurz angehalten hatte. “Vielleicht dämpfen die Endorphine den Schmerz, während ich laufe. Und wenn ich stehen bleibe, schlagen sie
plötzlich so durch, dass ich nie wieder in den Tritt komme?” Und ich fasse einen Entschluss: Wenn Du nirgends anhältst, dann kommst Du ins Ziel! (ein fast
philosophisches Ergebnis) Keine Pinkelpause, kein Stop an der Versorgungsstation, immer laufen, laufen, laufen...
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Es ist die Zeit gekommen, wo ich mich lösen muss von meinen Vorbildern. Mein Glaube muss erwachsen
werden und endgültig auf eigenen Beinen stehen. Identifikationsfiguren müssen zerbrechen, vielleicht sogar enttäuschen. Meine Jugendgruppe löst sich auf, ich ziehe weg. Meine
Gemeinde ist fort. Jetzt erst stellt sich heraus ob mein Glaube Bestand hat. Wird der Glaube einschlafen? Wird es ein latenter Glaube, ein Glaube der keine Rolle mehr im Leben
spielt oder werde ich weitergehen auf der Strecke? Oft sind es Zeiten wo eben nicht mehr alles glatt geht. Hochgefühle jagen mich nicht mehr nach vorne. Ich habe einen
realistischen Blick für die Probleme, auch in meinem Leben. Jetzt wird der Glaube schwer.
Hebr 12,1-3 1 Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und
die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, 2 und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens
, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande geringachtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. 3 Gedenkt an den,
der soviel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken laßt.
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Kilometer 30-38 Alles tut weh
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Bei Kilometer 30 fädelt sich der Weg wieder im Siebenmühlental ein. Ich weiß, was jetzt kommt: 10 Kilometer
leichte Steigung. Jetzt beginnt Neuland für mich. Was macht mein Körper in der vierten Stunde? Krämpfe, Schmerzen? Ich habe gelesen, dass Marathonläufer davon sprechen, dass irgendwann der
Punkt kommt ”Wo der Mann mit dem Hammer steht!”
Und ich weiß jetzt, was sie meinen: Die Kohlenhydrate im Körper sind verbrannt. Die Ressourcen aufgebraucht. Man schleppt
sich von Versorgungsstation zu Versorgungsstation. Ein Stück Banane, ein Becher Wasser. Mittlerweile trage ich den Becher 5 km in der Hand, damit ich jederzeit meine Schmerztabletten wegen
des Knies einwerfen kann, aber ich versuche den Moment hinauszuzögern. Das Läuferfeld hat sich weit auseinandergezogen, in der Ferne sehe ich einen Läufer vor mir. Ab und zu überhole
ich Läufer, die ein Wegstück gehen, und ich weiß, wenn ich das mit meinem Knie tue, dann werde ich nie wieder loslaufen.
Und dann sind da die Zweifel: “Warum tust Du dir das
an? Alles schmerzt! Du bist keinem 42km schuldig! Bleib einfach stehen! Keiner wird Dich auslachen! 35km sind doch auch nicht schlecht!” Wenn man das Ziel aus den Augen verliert,
dann ist der Lauf zuende. Ich verstehe plötzlich, warum man beim Marathon nur einen einzigen Gegner hat: sich selbst! Die Stimmung ist auf dem absoluten Tiefpunkt!
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Ich zehre längst nicht mehr von den Anfängen im Glauben. Meine Ausdauer ist erschöpft. Ich schleppe
mich von Versorgungsstation nach Versorgungsstation, von Gottesdienst zu Gottesdienst. Aus eigener Kraft geht es nicht mehr. Und jetzt sind auch Zweifel da? All die Kilometer,
all die Jahre. Warum bin ich da gelaufen? Was hat mir der Glaube gebracht? Andere sind in tolle Sommerurlaube geflogen, ich habe Freizeiten gemacht. Wofür? Lass es doch einfach!
Genieße Dein Leben? Du bist es keinem schuldig? Ich erlebe Menschen die früher in der Jugendgruppe waren, vielleicht sogar Leiter, die heute ein Leben ohne Jesus führen!
Gal 5,7 7 Ihr lieft so gut. Wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu gehorchen?
Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Jetzt ist nicht mehr der Weg das Ziel, denn der Weg macht
keinen Spaß mehr. Vielleicht bist Du krank, hast Probleme in der Familie, vielleicht ist die Gemeinde trostlos! Das ist der härteste Punkt des Laufes, das Ziel ist noch nicht
sichtbar und das “JesusHigh” längst vergessen. Paulus schreibt:
1.Kor 9,24-27 24 Wisst ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen zwar alle laufen, aber einer den Preis empfängt? Lauft so, dass
ihr ihn erlangt 25 Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem; jene freilich, damit sie einen vergänglichen Siegeskranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.
26 Ich aber laufe nun so, nicht wie ins Ungewisse; ich kämpfe so, nicht wie einer der in die Luft schlägt;> 27 sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn,
damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde.
Wir können nicht am Rand der Strecke sitzen bleiben und darauf warten, dass uns Gott im Gnadenauto
abholt und ins Ziel fährt.
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Kilometer 39-42 Mental bergauf
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Uff, das Schlimmste ist vorbei. Mental geht es jetzt wieder bergauf. Ich fange an zu rechnen. Nur noch 5km, nur
noch 3 km. Das Ziel ist plötzlich in erreichbare Nähe gerückt, fast greifbar. Pfeif auf die schmerzenden Muskeln, pfeif auf das Knie. Ich werfe den Becher mit dem Wasser weg. Jetzt habe ich
39km ohne Schmerztablette durchgestanden, da werde ich am Ende nicht schlappmachen. Die letzte Versorgungsstation noch mal Wasser getankt, und dann dem Ziel entgegen. Mittlerweile
gibt’s auch wieder Zuschauer, die einem mit Klatschen Mut machen.. Beine und Rücken sehnen sich das Ziel herbei, in den Hüften tritt ein diffuser Schmerz auf. Gelenke tun weh, aber
das ist egal.
Raus aus dem Siebenmühlental. Seit 5 Kilometern habe ich angefangen zu rechnen. Wenn ich am Schluss den Kilometer unter 6 Minuten laufe, kann ich meine Zielzeit unter
vier Stunden laufen. Das wäre meine Traumzeit. Nicht nur den Marathon geschafft, sondern auch noch unter 4 Stunden! Aber ich werde immer langsamer.
Und zu allem Übel geht der letzte
Kilometer zum Stadion den Berg hinauf! Jetzt ist alles egal, das Ziel ist greifbar. Im Ziel werde ich mich ins Gras legen, werde trinken, werde meine Füße ausstrecken. Noch 1 Kilometer.
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“Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei”, die Hoffnung hat aber längst an Bedeutung
verloren. Man traut sich fast nicht mehr zu sagen, dass unser Ziel die Herrlichkeit bei Jesus ist. Der Trost im Jenseitigen ist heutzutage fast ein Zeichen von Schwäche. In der
Bibel war die Erwartung eines Lebens bei Christus der Motor der Gemeinde. Diesem Ziel hat die Gemeinde entgegengefiebert. Diesem Ziel ist Paulus nachgejagt. Aber er ist
hinterhergejagt, nicht weil er auf der Flucht war, oder weil er musste, sondern weil er von Christus ergriffen war. Das war seine große Sehnsucht ... endlich bei Jesus. Und
die äußeren Lebensumstände waren nicht ermutigend, die Gemeinde machten Probleme, aber Paulus setzt alles daran dieses Ziel zu erreichen.
Phil 3,12-14 Das Ziel 12 Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl
ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. 13 Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage
ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.
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Kilometer 42.195 Das Ziel
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Der Berg ist geschafft. Bevor der Weg sich ins Stadion einfädelt, sehe ich plötzlich meinen Vater am Wegesrand,
den Foto in der Hand. Jetzt nicht nachlassen. Ich umrunde das Stadion. Ob überhaupt noch Menschen da sind? Der erste Läufer wird vor über einer Stunde ins Ziel gekommen sein! Wer interessiert
sich für Leute wie mich, die nach 4 Stunden eintrudeln? Egal, das ist mein Lauf.
Ich laufe im Stadion auf die Laufbahn. Da laufen plötzlich meine Kinder im Gras neben mir, jubeln mir
zu. “Du schaffst das!” Ich weiß, dass ich es schaffe, jetzt weiß ich es! Das Knie ist vergessen, ich drehe eine halbe Runde im Stadion, da kommt über Lautsprecher eine Durchsage:
”Mit der Startnummer 3022, Ralf Wagner aus Echterdingen mit einer Zielzeit von 3 Stunden 55 Minuten.” Ich höre Applaus, renne ins Ziel und falle ins Gras.
Ich bin am Ziel. Ich habe es geschafft. Ich bin absolut geflasht. Die Endorphine überschwemmen meinen kompletten Organismus. Ich kann mein rechtes Knie nicht mehr beugen.
Ich humple zu meiner Familie, die völlig überraschend gekommen ist und bin glücklich. Glücksgefühle und Schmerzen überfluten den Körper.
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So wird der Zieleinlauf im Himmel sein. Es wird ein Fest geben für jeden der einläuft, ungeachtet
der Laufleistung. Es wird pure Freude sein. Die Strapazen sind völlig vergessen. Das Ziel wird jeden gelaufenen Meter wert sein. Und wir werden Christus sehen. Das Ziel unseres
Lebens werden wir erreichen. Paulus schreibt in seinem Testament, seinem letzten Brief:
2.Tim 4,7-8 7 Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe
Glauben gehalten; 8 hinfort liegt für mich bereit die Krone der
Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben.
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Der Tag danach Spaghetti Armageddon
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Es ist unglaublich, was für einen Kohldampf ich in den folgenden Tagen hatte. Direkt nach dem Lauf habe ich 2
Teller Spaghetti reingedrückt. Am Montag danach (ungelogen) drei gehäufte Teller Spaghetti Armageddon. Der Körper ist dermaßen
ausgebrannt, die Kohlenhydrate verbrannt, dass man es erst wieder hinterher bemerkt.
Der Tipp jede Versorgungsstation mitzunehmen ist wichtig, da die Depots lange halten müssen. In den
4 Stunden Marathon habe ich 3700 kcal verbraten, der normale Umsatz eine Menschen sind 1700 kcal am Tag! Ohne Versorgung bleibt man schlicht auf der Strecke!
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Lustigerweise habe ich 4 Wochen später dasselbe auf geistlichem Gebiet erlebt. Ich hatte früher
vorgenommen jedes Jahr eine Auszeit für Gott zu nehmen: 7 Tage fortgehen, Einkehrtage, Stille, Bibelschule oder ähnliches. Und mit Job, Familie, Kindern ist dieser fromme Wunsch
gestorben. Da hat mir Petra zum Geburtstag ein Wochenende auf der “Klostermühle” geschenkt. “Du bist angemeldet, es ist bereits bezahlt, viel Spaß!”,
und da muss man als Schwabe natürlich hin. Als ich die Worte des Referenten gehört habe, da habe ich erst bemerkt wie sehr mir das gefehlt hat. Ich habe wie ein trockener Schwamm
jedes Wort aufgesogen und bin schwer ermutigt und geflasht mit neuem Horizont nach Hause gefahren. Damit wir lange auf der Strecke bleiben, müssen wir als Christen eben auch
unsere Versorgungsstationen anlaufen.
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Dieser Bericht soll natürlich keine ehrenkäsige Selbstbeweihräucherung sein, wenngleich ich auf meinen
188. Platz natürlich bärig stolz bin ;) Die wichtige Frage ist: Wo liegst Du gerade im Rennen? Wenn Du diese Seite gelesen hast, dann hast Du wahrscheinlich die Startlinie
irgendwann übertreten. Du hast Dein Leben Jesus gegeben. Irgendwo zwischen Start und Ziel musst Du stecken. Irgendwo bei Kilometer X? 
Was ist Dein nächster Schritt? Und wann kommt endlich die nächste Versorgungsstation? Quelle: Ralpf Wagner
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Kilometer X Wo stehst Du?
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