Icons als Window

Wir geben uns mächtig Mühe, unseren Glauben kreativ umzusetzen. In unserem Gottesdienstteam des "United Kingdom Gottesdienstes" werden jeden Monat sehr kreative Stationen entwickelt, an denen Glaubensdinge erfahrbar gemacht werden. Schreib deine Sünden auf Zettel und verbrenne sie in der Mülltonne. Gehe blind durch ein Labyrinth und erlebe was es heißt, wenn Dich jemand führt. Schreibe Gott einen Liebesbrief, knie vor dem himmlischen Thron Gottes nieder, ...

Das Geheimnis Gottes für Menschen erfahrbar zu machen, ist eine Aufgabe der Christen seit 2000 Jahren nachkommen. Deshalb finde ich es ganz spannend wie man das vor 500 Jahren gemacht hat. Als die Bevölkerung nicht lesen konnte, als in Russland die Menschen vor Plünderungen der Ostvölker nicht sicher waren. In diesen rauhen Zeiten haben Mönche das Evangelium in Bilder gepackt, die man betend betrachten konnte, so wie wir heute Bibellesen.... Die Ikonen wurden zu Fenstern, durch die man einen Einblick in Gottes Reich bekommen konnte: Icons als Window.

Icons vor 500 Jahren

Auch wenn uns die Verehrung der Ikonen seltsam anmutet, es ist ganz wertvoll wenn man von einer der ältesten Kirchen der Welt mal was lernt. Zunächst vorneweg: Ikone heißt Bild. Im Computerzeitalter, in dem wir mit kleinen Bildchen, den Icons aufgewachsen sind, keine große Überraschung.

Äußerlich ist eine Ikone ein bemaltes Stück Holz mit einem religiösen Motiv, meist eine Bibelszene oder das Portrait von Jesus oder Maria.

Für die Ostkirchen ist es aber viel mehr.

Beim Bibellesen nehmen wir Gottes Wort äußerlich wahr. In einer tieferen, für das Auge unsichtbaren Ebene treten wir aber in Beziehung zu Gott.

Dasselbe geschieht beim Betrachten der Ikone auf visuellem Weg. Sie lädt uns ein Dinge zu entdecken, die hinter dem eigentlichen Bild stecken. Sie eröffnet den Menschen einen Weg mit Gott in Kontakt zu treten.

Eine Ikone wird nicht angebetet, aber eine Ikone wird betend betrachtet. Und da passiert dann viel mehr wie in einer Bildbesprechung . Und Ikonen sprechen in einer Bildsprache die man kennen muss , Symbole die man deuten muss, sonst erschließt sich einem die Botschaft nicht .

Damit diese Symbolsprache erhalten bleibt, werden Ikonen nach strengen Regeln gemalt, da sie nicht den Glauben einer einzelnen Person, sondern den Glauben einer ganzen Kirche ausdrücken sollen. Diese Regeln werden über Jahrhunderte von einem Mönch an den anderen weitergegeben.

Eine der bekanntesten Ikonen ist die Ikone der "Dreifaltigkeit" von Andrej Rubljov. (ca.1370-ca.1430). Nicht nur dass diese Ikone erst 1907 entdeckt wurde und von einem der bekanntesten Ikonenmaler stammt, der Maler hatte bei dem Thema ja ein riesiges Problem. Wie soll mal Trinität malen, wenn man sich von Gott kein Bild machen soll und der heilige Geist nicht sichtbar ist.

Wie soll man ein Bild malen, dass ausdrückt, das Vater, Sohn und heiliger Geist drei Personen, aber ein Gott sind?
Andrej Rublov kann das nur in Symbolen andeuten. Er macht mit dieser Ikone aber nicht nur eine theologische Aussage, sondern er hat eine wahnsinnig wichtige Botschaft für den Betrachter in das Bild integriert. Eine Frage, die jeder Betrachter beantworten muss! Doch dazu später!

Um in die Ikone zu verstehen braucht es einen Zugang, einen Schlüssel, den der Betrachter kennen muss. Und das ist eine biblische Geschichte aus dem Alten Testament. Wie Dreieinigkeit von "Vater-Sohn-Heiliger Geist" schon im Alten Testament? 
Richtig gelesen!
Und jetzt bitte anschnallen!

Rublov malt eine Episode aus dem ersten Buch der Bibel.
Es ist eine Geschichte von Abraham und Sarah.

    1.Mose 18,1-15
    1 Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war.
    2 Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde
    3 und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber.
    4 Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, und laßt euch nieder unter dem Baum .5 Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labet; danach mögt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen. Sie sprachen: Tu, wie du gesagt hast.
    6 Abraham eilte in das Zelt zu Sara und sprach: Eile und menge drei Maß feinstes Mehl, knete und backe Kuchen.
    7 Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes gutes Kalb und gab's dem Knechte; der eilte und bereitete es zu.
    8 Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen.
    9 Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt.
    10 Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes.
    11 Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, so dass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise.
    12 Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun ich alt bin, soll ich noch der Liebe pflegen, und mein Herr ist auch alt!
    13 Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Meinst du, dass es wahr sei, dass ich noch gebären werde, die ich doch alt bin?
    14 Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben.
    15 Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht -, denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.

Abraham sitzt also im Hain Mamre und bekommt Besuch von drei Männern. Und weil Gastfreundschaft richtig groß geschrieben wurde, hat Abraham alles aufgetischt was er hatte: Frisch gebackener Kuchen, ein geschlachtetes Kalb, ... Die orthodoxe Kirche hat daraus schon früh eine Ikone gemalt: "Die Ikone von der Gastfreundschaft Abrahams" Auf diesen Ikonen sieht man normalerweise 3 Engel, Botschafter Gottes mit Flügeln, am Tisch sitzen, die von Abraham und Sarah bedient werden. Oft wird das Kalb auf dem Tisch als reiche Speise dargestellt. Im Hintergrund findet man oft einen Baum, der den Hain Mamre symbolisiert. Aus dem prächtigen Zelt Abrahams wurde mit den Jahren ein Haus das im Hintergrund steht.
Eine ganz normale Geschichte eines Besuchs von drei Gästen ... nur waren es eben Boten Gottes ...Engel!

Andrej Rubljov lebte in einer schwierigen Zeit. Sein Land wurde von Invasoren aus dem Osten heimgesucht. In seinem Kloster malt er eine Ikone um den Glauben der leidenden Bevölkerung zu stärken. Andrej verändert die ursprüngliche Ikone der Gastfreundschaft, vereinfacht Sie und packt eine wichtige Botschaft hinein. Und er wählt als Motiv genau die Geschichte der drei Besucher.

Die 3 Besucher

Seit Anfang der Christenheit sah man mehr hinter der Geschichte des Besuches beim Hain Mamre. Warum kam Gott nicht als 2, 4 oder 5 Personen?
In dieser Geschichte verkündigt Gott sein Wesen, Jahrhunderte bevor er als Jesus in Menschengestalt die Erde betritt. Diese Begegnung ist ein Bild für das Wesen Gottes. In dieser Geschichte offenbart sich das Wesen Gottes. Und durch diese Ikone spricht er zum Betrachter.

Ganz wichtig an der Ikone ist erst mal, was alles fehlt.
Was ist plötzlich unwesentlich geworden?

Abraham und Sarah sind plötzlich verschwunden, aber wir sind sicher, dass es noch dieselbe Geschichte ist: Im Hintergrund steht der Baum den Hains und auch das Haus ist noch da. Das opulente Mahl ist komplett verschwunden. Nur noch ein Kelch steht auf dem Tisch.(Wir reden hier von Symbolen: Ein Kelch! Denk mal drüber nach)
Die drei Engel, Symbol für die Anwesenheit Gottes sitzen aber noch am Tisch. Und diese 3 Engel sind sich sehr ähnlich, aber nicht gleich. Sie sind wie ein Wesen, aber drei Personen!

Der Blick wandert unwillkürlich im Kreis und betrachten die 3 Engel, die eine tiefe Harmonie ausstrahlen. Doch irgendetwas fehlt an diesem Tisch.

 

 

 

Der unsichtbare Vierte

Der Tisch hat 4 Seiten, doch nur drei Personen sitzen am Tisch.
Wer ist die 4.Person? Abraham vielleicht? Oder Sarah?

Auch die Perspektive des Tisches ist extrem seltsam. Normalerweise ist der Fluchtpunkt oben, weit in der Ferne, doch hier ist der Fluchtpunkt beim Betrachter.
Der Betrachter ist der Mittelpunkt des Bildes.
Es geht um Dich, der Du das Bild ansiehst.
Du bist gemeint! Du bist die 4.Person am Tisch!
Dieser Platz ist für Dich reserviert! Wirst Du Platz nehmen?

Das ist die wichigste Frage der Welt: Gott lädt Dich an seinen Tisch!
Der Platz ist bereitet.
Wirst Du Dich setzen?

Kein Platz für mich?

Aber wie ist das eigentlich möglich?
Kann denn ein sündiger Mensch überhaupt mit Gott Gemeinschaft haben?
Andrej Rubljov hat die Antwort auf seinem Bild versteckt.
Wie ist es möglich, dass Du mit Gott Gemeinschaft haben kannst? Das Kalb, das Abraham für seine Gäste geschlachtet hat ist verschwunden.
Doch im Kelch befindet sich der Kopf eine Lammes (das kann man im Original wohl gut erkennen)
Und da wissen wir: Ein makelloses Lamm, ohne Fehler, gestorben damit wir Gemeinschaft haben mit Gott. Und natürlich klingelt es da bei Euch: Ein Lamm! Hier wurde nicht das Kalb geschlachtet, sondern ein Lamm: Jesus.

    Jes 53,4-10
    4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.
    5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
    6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.
    7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.
    8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war.
    9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.
    10 So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen.

Dieses Opferlamm ist natürlich Jesus, von dem wir glauben, dass es der Christus ist, der Messias. Er wird geopfert, damit wir Gemeinschaft mit Gott haben können. Er stirbt am Kreuz unseren Tod, damit wir wieder vor Gott treten können. Damit wir an diesem Tisch Platz nehmen können.

    Joh 1,29
    29 Das Zeugnis des Täufers vom Lamm Gottes
    Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!

Die Lösung liegt bei Rubljov auf dem Tisch.
Auch der Kelch ist natürlich ein Symbol. Jesus selbst hat beim Abendmahl gesagt, dass im Kelch das Blut sei, dass für die Sünden der Welt vergossen wird.
Da es auf dem Tisch liegt heißt: Alles ist bereit für Dich!
Gott wartet. Die Schuld ist bezahlt.

    Mt 26,27-28
    27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus;
    28 das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.

Im übrigen gibt es noch ein Detail im Bild für Eingeweihte: Der Baum des Hain Mamre steht genau über dem Kelch. Ein Baum war für die ersten Christen immer eine Erinnerung an das Holz des Kreuzes, an dem Jesus gestorben ist. Aber dieser Baum hat nun grüne Blätter und sprießt:
Ein Zeichen für das neue Leben, dass jetzt möglich ist.

Dass das ganze aber über ein persönliches Angebot weit hinausgeht zeigt ein kleines viereckiges Symbol auf dem Tisch. Das Symbol bedeutet nach damaligem Verständnis schlicht: Die Welt.

Die Engel deuten mit Ihren Händen nach unten: Dorthin müssen wir gehen um die Menschen zu versöhnen. Und zwischen der Gemeinschaft der Welt mit Gott gibt es nur den Weg über den Kelch, das stellvertretende Leiden Christi.

Gott ist eine Gemeinschaft von 3 Personen

Wenn wir ein Bild Gottes sein wollen, dann können wir das nur in einer Gemeinschaft sein. So wie Gott eine Gemeinschaft von Dreien ist.
Keine Solo-Christen.
Der Gemeinschaft Gottes steht die Gemeinschaft der Heiligen gegenüber, die Gemeinschaft der Menschen, die zu Gott gehören.

Und so wie die Gemeinschaft Gottes eine offene Seite hat, die die Menschen einlädt teilzunehmen, so darf auch die christliche Gemeinschaft nicht verschlossen sein.

Jeder der Engel trägt etwas in der Hand: Einen Stab.

Wahrscheinlich handelt es sich um einen Wanderstab.
Gott ist auf der Reise zu den Menschen und wir sollten uns auf einer Reise zu Gott befinden.
Jetzt in diesem Moment, während Du die Ikone betrachtest geschieht es:

  • Gott lädt Dich ein Platz zu nehmen
  • Er vergibt Deine Sünden durch das Lamm
  • Er will Dir neues Leben schenken (grüne Baum)
  • Er bietet Dir Gemeinschaft mit ihm an

Nimmst Du Platz?
Theologisches kräftig geklaut aus einem Biblegroup Seminar in Taize von Frere JohnBack